Leben im Büro

Christoph Bartmann – als Leiter des Goethe Instituts in New York und langjähriger Angestellter des öffentlichen Dienstes – charakterisiert in »Leben im Büro« den modernen Büromenschen.

Er empfindet, viel zu viel Zeit mit Sitzungen, der Darstellung seiner Arbeit, Strategie-Meetings, Evaluierungsgesprächen verbringen zu müssen. In Christoph Bartmanns Sichtweise sind diese Steuerungsaufgaben »Sekundärtätigkeiten«, die ihn von seiner eigentlichen Arbeit, für die er Experte ist, abhalten.

Für ihn ist diese Managementlastigkeit, die nach dem 2. Weltkrieg aus den USA kommend, seither unser Arbeitsleben prägt, überholt. Er plädiert für eine Rehabilitierung des alten Bürokratie-Modells, das der Soziologe Max Weber in den 20-iger Jahren des 20. Jahrhunderts formulierte: eine wertkonservative, kompetente und korruptionsresistente Verwaltung.

Unter Bürokratie verstand man ursprünglich die Herrschaft der Besten. Heute sei Bürokratie negativ besetzt, mit der Folge, dass seit den 90-iger Jahren das Gedankengut des »New public management« gilt, das das Ziel verfolge »den Verwaltungen Beinen zu machen«, da sie zu ineffizient, zu korrupt und zu langsam agieren.

Aber dieses gegenwärtige Büroregime tue uns Angestellten nicht gut. Stress und Burn-out seien die Folge, weil im Büro von heute keine Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit mehr möglich ist. Der Angestellte hat die umfassende Vereinnahmung durch das Büro verinnerlicht. Auch unser Sprachgebrauch hat sich verändert: Das Büro wird zum Office, der PC-User checkt seine Emails. Statt Anweisungen vom Chef zu befolgen, richtet sich der Angestellte nach einer Zielvereinbarung, statt zu kritisieren wird Support angeboten. Christoph Bartmann wünscht sich Institutionen, in denen nicht ständig evaluiert wird.

So steht er auch Reformversuchen im Büro kritisch gegenüber und plädiert für Kontinuität und Verlässlichkeit – nicht für ständigen »Change«. Wandel nur, wenn er mit Vernunft, Augenmaß und Pragmatismus erfolgt und dazu beiträgt, dass sich der Angestellte als Spezialist und Experte wieder verstärkt seiner »Primärarbeit« zuwenden kann.

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